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Handverlesene Lederarten:
Eigenschaften, Herkunft, Funktion


Wir lieben Leder. Darum verwenden wir bei BÄR ausschließlich handverlesene Häute und Felle, die wir umwelt- und hautverträglich gerben lassen (ohne dass Schadstoffe zurück bleiben) und entsprechend ihrer Eigenschaften optimal einsetzen: Ziege, Hirsch, Elch, Büffel aber auch manchmal Exoten wie Eidechse, Elefant, Känguru, Krokodil, Strauß oder sogar Haifisch. Ein Kapitel zum Lesen und Staunen...

Die häufigsten Lederarten bei BÄR im Überblick:

Elchleder – selten, begehrt, mit höchsten Komfort

Aus dem hohen Norden Schwedens und Norwegens importiert BÄR ein Leder, das hierzulande immer mehr Liebhaber gewinnt. Elchfelle haben Seltenheitswert, werden handverlesen und in einem sehr zeitaufwändigen Verfahren gegerbt. Elchleder ist ein sehr hochwertiges und ausgesprochen weiches Material, das als Veloursleder hauptsächlich für exklusive Ledertrachten verwendet wird und als Glattleder auch für BÄR-Schuhe höchster Ansprüche in Sachen Komfort und Anschmiegsamkeit. Elchleder stellt an den BÄR-Schuhmacher besonders hohe Ansprüche in der Verarbeitung: Durch das Leben in freier Wildbahn weisen die Oberflächen unterschiedlichste Lebensspuren auf – von Insektenstichen über Dornrisse bis zu Kampfspuren. Aus diesem Leder werden in Verbindung mit den original BÄR-Passformen Schuhe gefertigt, die zu den bequemsten der Welt gehören.

Wildschafleder – kernig mit Unikat-Charakter

Wildschafe, Mufflons, haben den Weg zu uns vor 10.000 Jahren über Anatolien gefunden. Das Leder des Wildschafs ist mit seiner derben Maserung Spiegel der unwirtlichen Landstriche, die den Mufflons ein karges Zuhause waren. Das verarbeitete Leder scheint Geschichten zu erzählen. Es ist das Erkennungsmerkmal unseres beliebten „Agnello“.

Chevreaux – fein und dauerhaft in vegetabiler Gerbung

Das ganze Jahr ziehen die pakistanischen Chevreaux-Ziegen in kleinen Herden über Geröllhalden und Felsen. Das extreme Klima mit glühend heißen Tagen und frostig kalten Nächten macht ihre Häute besonders zäh und widerstandsfähig gegenüber Klimaschwankungen. Das Resultat: Die Häute haben wenig „Zug“, wodurch der BÄR-Schuh seine Form bewahrt, obwohl er sich gut dem Fuß anpasst. Chevreaux ist ein sehr feines und trotzdem sehr reißfestes sowie dauerhaftes Glattleder, das eine feste Struktur und eine leuchtende Oberfläche hat. BÄR verwendet meist vegetabil gegerbtes Chevreauxleder, wodurch der Schuh im Lauf der Zeit eine immer schönere Patina erhält. Beim „Glanzstoßen" geflochtener Schuhe wird die Oberfläche von Hand mit einem Rosenholzstab gerieben, wodurch die „Köpfchen" sich aufgrund der Reibungshitze und des Drucks verdunkeln, während die „Gräben" hell bleiben.

Kalbleder – fein und handschuhweich

Kalbleder stammt von jungen Rindern oder so genannten "Fressern". Daher hat das Leder noch keine groben Poren, Narben von Weidezäunen bzw. Dornenhecken oder Insektenstichen, sondern es besitzt eine besonders feine und weiche Oberfläche – ideal für unsere hochwertigen Damenschuhe. Die Häute sind relativ klein und nur von Spezialisten perfekt zu verarbeiten. Kleine Gerbereien in Italien, meist über Generationen als Familienbetriebe geführt, suchen für die BÄR-Manufaktur die schönsten Stücke aus. Mit geübtem Auge handverlesen und mit Liebe zum Detail sowie hochspezialisiertem Wissen, das nur mündlich von Generation zu Generation vererbt wird, damit das Geheimnis in der Familie bleibt, verarbeitet.

Rindleder – das Robuste von „Outdoor-Rindern“

An Rinderhäuten kann der Fachmann – ähnlich wie bei Jahresringen von Bäumen – ablesen, wie und wo das Rind gelebt hat, und vor allem was es alles erlebt hat: Risse von Dornhecken, Narben von Insektenstichen, Dehnfalten von Schwangerschaften, Spuren von Rangkämpfen erzählen eine eigene Geschichte. Bei der Auswahl des Rindleders, das für unsere Manufaktur meist von freilaufenden Tieren aus Norwegen, Frankreich, Italien, Deutschland, der Schweiz und aus Amerika stammt, werden an unsere Schuhmacher hohe Anforderungen gestellt. Genauso wie bei der Bearbeitung, um zum Beispiel das Stanzmesser so anzusetzen, dass Hautfehler oder Brandzeichen nicht erscheinen. Das Leder für die klassischen und sportlichen Modelle der BÄR-Manufaktur kommt von Rindern, die auf den saftigen Wiesen der Normandie, Norwegens und der Schweiz weiden. Für unsere robusten Modelle, vor allem Wanderschuhe, nehmen wir dagegen das Leder "gestandener" Rinder aus riesigen amerikanischen Prärieherden, die es gewohnt sind, sich täglich im rauen Gelände und bei jedem Wetter durchzusetzen: von kilometerlangen Märschen zu neuen Weidegründen bis zu Rangkämpfen in der Herde. Das ergibt ein Leder, das erstens besonders robust ist und zweitens individuelle Merkmale von Heckenrissen oder Kampfspuren aufweist. Kenner schätzen gerade diese Kennzeichen, die ihren Schuh zu einem unverwechselbaren Unikat machen. Im Gegensatz hierzu steht das Kalbleder:

Büffelkalb – formstabil, weich, ideal für Flechtschuhe

Dass sich die Wasserbüffel in Indien und Thailand in Tümpeln suhlen, hat einen einfachen Grund. Durch das Wasser- und Schlammbad schützen sie ihre Haut vor dem tropischen Klima mit bis zu 50° C – und gerben nebenbei ihre Haut fast schon bei lebendigem Leib: Wasserbüffel haben kaum Haare – wozu auch? Kein Wunder, dass das Leder wie das Tier selbst ist: zäh, gleichzeitig robust und doch weich - eine Folge der täglichen Körperpflege. So liefert der Wasserbüffel ein feines Leder, das bei entsprechender Behandlung eine ausgezeichnete Farbtiefe erzielt. Für die feinen Streifen geflochtener Schuhe verwendet BÄR oft Büffelleder, weil es sich beim Flechten stabil verhält und die Flexibilität der Riemchen den Komfort steigert. Das Erkennungsmerkmal von Büffelleder: Nur wenige, aber dafür große Poren – bedingt durch die spärlichen Haare.

Lammnappa – anschmiegsam wie eine 2. Haut

Lammnappa stammt aus dem gesamten Mittelmeerraum – hauptsächlich von Lämmern, die auf den weiten Ebenen Kastiliens oder den steilen Berghängen des Peloponnes weiden. Durch Nachgerbung wird Nappaleder waschbar gemacht. Außerdem erhält man so ein besonders weiches Leder, das sich dem Fuß wie eine zweite Haut anschmiegt. Das macht es zum bevorzugten Material für bequeme BÄR-Sommersandalen.

Känguru-Leder – für maximal
strapazierfähige Sportschuhe

Laut „Guinness Buch der Rekorde" ist das Känguru Weltmeister im Hochsprung (3,10 m) und im Weitsprung (12,80 m). Kein Wunder, dass Känguruleder vor allem für stark beanspruchte Sportschuhe eingesetzt wird: Es ist das strapazierfähigste Leder in punkto Reißfestigkeit und Haltbarkeit – und das abriebfesteste aller Bekleidungsmaterialien. Das wissen nicht nur Fußballspieler und Motorradfahrer zu schätzen, sondern auch immer mehr ganz normale Fußgänger. Bedingt durch das Leben in freier Wildbahn weist Känguruleder oft zahlreiche Vernarbungen an der Oberfläche auf - das macht jeden Känguruleder-Schuh zu einem Unikat. Das Angebot an Känguruleder ist allerdings begrenzt. BÄR verwendet es bei den Modellen „HighPerformance".

Doubleface – eine Seite Fell, eine Seite Leder

Gleich von zwei Seiten überzeugt Doubleface: Damit bezeichnet man naturgewachsenes Schaf- oder Lammfell, das mit der wärmenden Wolleseite nach innen und der robusten Veloursseite nach außen getragen wird. Aufgrund seiner einzigartigen Wärmeisolation werden aus Doubleface nicht nur Kleidung und Handschuhe gefertigt, sondern auch Schuhe und Stiefel für den Winter (siehe BÄR-Modell „Lammfellmokassin"). Doubleface wird auch als Pelzvelours oder gewachsenes Lammvelours bezeichnet – und wenn es ein leichtes Finish auf der Veloursseite hat auch als Nappalan.

Veloursleder – für Oberleder und Innenfutter

Grobfaseriges Veloursleder erhält man auf zwei Arten: Indem man dünne Felle auf der Fleischseite der Tierhaut anschleift oder dicke Felle horizontal spaltet, wobei der obere Teil den Narbenspalt ergibt (Vollleder bzw. Nappa) und der untere Teil den Veloursspalt. Da dieser besonders grobfaserig ist, wird er vor allem für sportliche Schuhe verwendet oder aufgrund seiner rutschhemmenden Wirkung als Futter in der Fersenpartie eingesetzt.

Nubukleder – mit samtiger Oberfläche

Das Ausgangsmaterial für Nubukleder sind ausgewählte, narbenreine Kalbfelle und Rindshäute. Diese werden auf der Narbenseite, der obersten Schicht der Tierhaut, nur ganz leicht angeschliffen. Dadurch entsteht die charakteristisch samtige Oberflächenstruktur, die den besonderen Reiz von Nubukleder ausmacht.

Glattleder

Als Glattleder bezeichnet man alle narbenseitigen Leder, die nicht angeschliffen sind. Die Oberfläche kann unterschiedlich aussehen: glatt, strukturiert, genarbt oder geprägt. Für Glattleder verwendet man vor allem Rind- und Kalbleder, aber auch zum Beispiel Ziegenleder. Mehr...