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BÄR aktiv – Kilimandscharo Tour 2004

BÄR Touring-Sohlen im Härtetest auf dem höchsten Berg Afrikas



Reisebericht von Sebastian Bär

Wenn wir bei BÄR unsere Schuhe oder Sohlen entwickeln, dann testen wir die ersten Muster immer dort, wo sie später auch zum Einsatz kommen. Für die BÄR Bergstiefel kam nur einer der „Seven Summits“ in Frage. Wir haben uns für den höchsten Berg Afrikas entschieden, den Kilimandscharo mit 5.895 m.

Durch unterschiedliche Vegetationen geht es gemächlich bergan: „Pole, Pole“ sagt der Guide immer wieder „Langsam, Langsam“. Das ist der Schlüssel, um dem Körper Gelegenheit zur Akklimatisierung an die Höhe zu geben. Wer dem nicht folgt und schneller macht, zahlt unter Umständen später den Preis: Höhenkrankheit kurz vor dem Gipfel.

Die Route führt vom Park Gate Marangu (1.840 m) über die Mandara Hütte (2.720 m), Horombo Hütte (3.725 m), Kibo Hütte (4.703 m) zum Gipfel Uhuru Peak auf 5.895 m.

Jedes Jahr kommen hier immer wieder Touristen ums Leben, weil sie die Auswirkungen der Höhe auf den Organismus unterschätzen. Eine gute Ausrüstung gehört zur Grundausstattung. Bergstiefel mit robuster und rutschfester Sohle sind die Basis. Ich trage den allerersten Prototypen des „Kibo“-Stiefel, mit der neuen Touring-Sohle. Mindestens 5 Liter Wasser am Tag trinken, viel Schlaf und keine Medikamente sind weitere Voraussetzungen an die ich mich halten soll, um die bevorstehenden Strapazen einigermaßen gut zu überstehen.

Bis zur Mandara Hütte wandert man durch üppigen Regenwald und erst auf dem Weg zur Horombo Hütte wechselt die Landschaft ihr Gesicht: Ginsterbäume und Erikabüsche säumen den Weg. Am 3. Tag legen wir einen Tag Akklimatisierungspause ein und wandern ca. 5 Stunden von der Hütte vorbei am Zebra Rock zum Lava Hill (4.380 m) direkt am Fuße des Mawenzi (4.550 m), der nur wenige Kilometer neben dem Kibo in den Himmel ragt.

In dieser Höhe treten bei einigen von uns Symptome der Höhenkrankheit auf, die ein mulmiges Gefühl hinterlassen: Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel und Leistungsabfall.

Am Folgetag muß ein Mitglied unserer Gruppe zurück ins Tal: Diagnose Höhenkrankheit. Andere klagen über ihre unbequemen Wanderstiefel und verarzten erste Blasen an den Zehen. Hier habe ich Dank unserer Zehenfreiheit® gar keine Probleme. Mein Prototypen- Muster findet große Beachtung, während sich die Kameraden bei den ersten Schritten mit schmerzverzerrtem Gesicht quälen müssen. Wir brechen auf und die Vegetation auf dem Weg zur Kibo Hütte geht in eine öde Vulkanlandschaft über. Vor mir erhebt sich der Kibo mit seinen majestätischen Gletschern! Auf ca. 4.300 m passieren wir die letzte Wasserstelle. In der uns umgebenden Steinwüste scheint alles Leben zum Stillstand zu kommen. Hier und da ein paar Flechten und Moose, sonst nur lebloses Lavafeld. Immer mehr weiß ich den hohen Schaft meines Stiefels zu schätzen, der mir auf unebenem Terrain Trittsicherheit gibt, auch wenn ich mal ein paar unkonzentrierte Schritte mache.



Jetzt kommen uns auch Bergsteiger mit eingefallenen Gesichtern von oben entgegen und natürlich frage ich ob sie oben waren: „Brutal conditions!“, sagt mir ein Amerikaner und ist auch schon vorbei. Andere schütteln einfach nur den Kopf und schleppen sich weiter. Vor mir erhebt sich der höchste freistehende Berg der Erde.

Mit einem etwas bangen Gefühl gehe ich auf der vorletzten Etappe weiter Richtung Gipfel: ich bin ja mit einem Musterschuh unterwegs bin, der zum ersten Mal zum Einsatz kommt. Wird mir die Sohle auf den steilen Lavahängen zum Gipfel genug Halt und Rutschfestigkeit bieten? Ist er warm genug bei -20°C? Laufe ich mir unter der anstehenden Extrembelastung womöglich doch noch eine Blase und muß abbrechen?

Es stellt sich mittlerweile auch bei mir ein unangenehmes Stechen im Schädel ein. „Jetzt bloß nicht schlapp machen!“, sage ich mir. „Pole! Pole!“, schön langsam und nichts übertreiben.

Auf der Kibo Hütte krieche ich schon gegen 18 Uhr in meinen Schlafsack, um vor dem Gipfelanstieg noch ein paar Stunden Schlaf zu bekommen. Um Mitternacht ist es dann so weit! Draussen sind es ca. -15°C. Es ist windstill, sternenklar und bitterkalt. Auf dem schmalen Serpentinenpfad geht es auf dem steilen Geröllhang Richtung Gipfel. Die grobstollige Touring-Sohle hält mich perfekt! Im Kegellicht meiner Stirnlampe sehe ich die Hacken der Wanderschuhe meines Vordermannes Schritt für Schritt. Immer der gleiche Rhythmus und das gleiche Bild seit 5 Stunden. Der Weg wird steiler und ist mit Lavagestein übersät. Keiner spricht mehr. Immer wieder kommen wir an Bergsteigern vorbei, die ihren Tribut zahlen für die Höhe. Auch aus unserer Gruppe muß ein weiteres Mitglied umkehren. Bei etwa 5.200 m ist es ihr nicht mehr möglich geradeaus zu gehen, zu groß ist das Schwindelgefühl und damit der weitere Aufstieg zu gefährlich.

Kurz vor Tagesanbruch erreichen wir den Gilmans´s Point (5.715 m). Im Osten verfärbt sich der Himmel langsam. Die Luft ist dünner und kälter geworden. Wir gehen nun noch langsamer. Unter und vor mir ist bereits ein riesieger Gletscher. Ich schaue nach links unten auf den Mawenzi herab.

Ich steige weiter hoch… Schritt… für… Schritt… weiter… einen… Schritt… nach… dem… anderen. Und schließlich steht da ein halb zerfallenes Schild „Congratulations – You are now at the Uhuru Peak, the highest point in Africa, Altitude 5.895 m”. Welch ein unvergleichlicher Augenblick!

Ich bin ziemlich fertig! Aber auch stolz. Ich will 3 Meter zu einem Kameraden rennen, um ihn zu beglückwünschen und bin sofort außer Atem als wäre ich 50 m gesprintet.

Nach 25 Minuten auf knapp 5.900 m ist es dann auch genug. Wir machen uns an den Abstieg, der am gleichen Tag über die Kibo Hütte zur Horombo Hütte und am nächsten Tag ins Tal führt.

Test bestanden: der „Kibo“-Stiefel u.v.a. die stark profillierte Touring-Sohle können in Serie gehen. Ich freue mich, denn nun können noch viele Wanderer und Bergsteiger von der innovativen BÄR Zehenfreiheit profitieren.

Eine Tour ohne schmerzende Füße, das höchste der Gefühle!

Impressionen von Sebastian Bär - BÄR Schuhe auf dem höchsten Berg Afrikas